Pilger
18.10.2018

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Die Sauerorgel der Himmelfahrtkirche

Der 10. April 1910 ist für die deutsche Gemeinde in Jerusalem ein besonderes Datum. An diesem Tag wurde die Kaiserin Auguste Victoria-Stiftung mit der Himmelfahrtkirche eingeweiht. Doch nicht nur die evangelische Kirche hatte damit Grund zur Freude, denn bei den Katholiken konnte ebenfalls gefeiert werden. Am gleichen Tag fand die feierliche Konsekration der Dormitio-Kirche statt.
Doch in der Dormitio war an einen Orgelneubau damals nicht zu denken, ein großes Harmonium erklang stattdessen in den Gottesdiensten. Weil der Kaiser Wilhelm II (genauer: seine Gattin, Auguste Victoria als treibende Kraft) hinter dem Bau der Himmelfahrtkirche stand, konnte dort wohl auch ein Orgelbau realisiert werden.
Damit beauftragt wurde die seinerzeit sehr berühmte Firma Wilhelm Sauer aus Frankfurt an der Oder.
Es ist ein einzigartiges kulturelles und geistliches Geschenk, dass die Jerusalemer Sauerorgel vollständig erhalten ist. Alle Pfeifen sind original, die wenigen Arbeiten, die im Laufe von 100 Jahren durchgeführt wurden, sind nachweisbar, sie griffen nur wenig oder gar nicht in die historische Substanz ein, die Schäden des Erdbebens von 1927 etwa oder der Zeit der Verwahrlosung (als die Kirche als Lagerhalle genutzt wurde und in der Orgel Vogelnester waren) konnten behoben werden.

Außerdem ist diese Orgel die einzige erhaltene aller deutschen Orgeln, die zwischen 1890 und 1940 mit viel Liebe, Können und finanziellen Anstrengungen in Palästina gebaut wurden.
Sie stellt einen gar nicht zu überschätzenden ideellen Wert dar, ist Zeugnis des Glaubens, der Spritualität und der Gottesdienstkultur, die innerhalb der deutschen Gemeinden seit mehr als 100 Jahren in Jerusalem gepflegt wird.

Das Jerusalemer Instrument wurde laut einer Inschrift (im Innern der Orgel) von Orgelbauer Granzin aufgestellt. Er war es auch, der wenig später für den Bau der Orgel des Berliner Doms verantwortlich war.
Die Orgel auf dem Ölberg ist für damalige Verhältnisse nicht groß, sie umfasst nur 24 Register, doch sie hat auf einer Grundfläche von ca 24 m2 geradezu riesige Ausmaße und viel Platz zum Klingen. Sie füllt mit dem hervorragenden Standort auf der hinteren Empore den Raum mit seiner schönen und großen Akustik in ganz einzigartige Weise.

In Deutschland sind viele Sauer-Orgeln unwiederbringlich verloren. Sie wurden durch die beiden Weltkriege zerstört, fielen dem Zeitgeschmack zum Opfer und wurden abgerissen, oder wurden im Rahmen der Orgelbewegung umgebaut, oder im Rahmen der sog. zweiten Orgelbewegung nach den 50er Jahren pietätlos verändert, wobei historisch bedeutendes Pfeifenmaterial unwiederbringlich vernichtet wurde.

Die Sauerorgel der Himmelfahrtkirche in Jerusalem eröffnet eine Einheitlichkeit an „Klang“, die an kaum einem andern Ort so anzutreffen ist. Die gemeinsame Entstehung von Kirche und Orgel ermöglicht einen Dialog zwischen originaler Orgel und original klingender (1991 renovierter) Kirche, die in dieser Form nur selten anzutreffen ist.

Wenn Sie an dem Klang der Sauerorgel interessiert sind, empfehlen wir Ihnen unsere CDs.