Pilger
18.10.2018

Suche

Volontäre an der Himmelfahrtkirche

Hanna und Nika vor dem
Café Auguste Victoria

Ich streife durch die Straßen von Jerusalem, es ist unerträglich heiß. Zum Glück kenne ich meinen Weg und muss nicht lange suchen. Denn schließlich bin ich hier zu Hause.
Vor einem Jahr bin ich angekommen – zusammen mit 5 weiteren Freiwilligen, die wie ich in Jerusalem leben und arbeiten.
Und nun ist das Jahr bald vorbei und ich überlege schon, was ich mitnehme und was ich hierlasse. Auch wenn mein Gepäck auf 23kg begrenzt ist, sind doch die Erfahrungen und Erlebnisse umso wichtiger.

“Ein Jahr Jerusalem“ war nicht nur ein Motto für mich, sondern auch für viele andere Deutsche, die hierher kamen um als Volontäre zu arbeiten. Die Gründe dafür sind jedoch vielfältig: Ein schönes Jahr haben, etwas Soziales tun, eine neue Sprache lernen, die Kultur kennenlernen usw.

Während des Jahres lernte ich Volontäre verschiedener Organisationen und Arbeitsstellen kennen, mit denen ich mich von Anfang an verbunden fühlte.
Dass junge Deutsche in das Heilige Land kommen, um zu arbeiten und das Land zu erleben hat eine lange Tradition.

Auch ich stehe in einer Reihe von Volontärinnen und Volontären an der Himmelfahrtkirche.
Seit September 2005 kommen jedes Jahr Freiwillige aus Deutschland, um hier an der Himmelfahrtkirche zu helfen. Zuerst waren es junge Männer, die statt des Militärdienstes ihren Zivildienst im Ausland leisten wollten – jetzt sind es Freiwillige beider Geschlechter.
Organisiert und vermittelt werden die Dienste bei den evangelischen Stiftungen im Heiligen Land von der badischen Landeskirche, genauer von der Arbeitsstelle „Frieden“. Einen „Freiwilligen Ökumenischen Friedensdienst“ (FÖF) kann jede/r leisten, der zwischen 18 und 27 Jahre alt ist. Es gibt verschiedene Einsatzstellen in sieben Ländern – darunter auch Israel/Palästina. (Mehr Informationen zum Freiwilligen Ökumenischen Friedensdienst finden sie hier.)

Nun ist mein Dienst hier bald zu Ende und ich schaue zurück, was ich alles an der Himmelfahrtkirche erlebt habe. Schon von Anfang an waren wir bei allem eingebunden und konnten uns einbringen. Wir organisierten Veranstaltungen – wie die Wahlparty Ende September, die Übertragungen der Fussball WM, wir feierten Feste mit Kindern wie Sankt Martin oder Nikolaus und bereiteten Gottesdienste und Andachten vor, aber wir räumten auch auf, sortierten, putzten, strichen oder pflanzten.
Prägend war dabei natürlich die Arbeit mit den Pilgern und Touristen, die die Kirche besichtigten und auf den Turm stiegen, insbesondere mit den Deutschen.
Manchen fragten mich, warum ich denn so gut Deutsch spreche – andere wollten einfach nur wissen, wie es zum Turm geht. Oft entstanden dabei interessante Gespräche und ich begegnete Menschen, an die ich mich immer noch gerne erinnere.
Besonders Spaß machten uns die Gespräche und Führungen mit Schülergruppen und konnten dabei ungefähr Gleichaltrigen von unseren Erfahrungen hier in Jerusalem berichten und das Interesse für ein Auslandsjahr bei ihnen wecken.
Doch von Anfang an wussten wir, dass all das nur für ein Jahr ist. Und so steige ich bald in das Flugzeug mit einem Koffer voller Erfahrungen und Erlebnisse.

von Hanna Kreplin